Der Weg unserer Schulprogrammentwicklung

  „Man soll nie zuschauen. Man soll mittun, Zeuge sein und Verantwortung tragen“ (Antoine de Saint-Exupèry)

 Um die inhaltliche Arbeit unserer Schule weiterzuentwickeln, arbeiten wir seit 1998 an unserem Schulprogramm, dem wir den Namen „Lebensnahe Schule“ gegeben haben. Alle Lehrerinnen, Lehrer, Schülerinnen und Schüler setzten sich unter Einbeziehung der Eltern zusammen und überlegten gemeinsam:

 -          Wie ist der aktuelle „Ist-Stand“ unserer Schulentwicklung?

-          Welche weiteren Ziele ergeben sich daraus?

-          Wie können wir diese Ziele erreichen?

 Daraus entstand die Idee, unsere Schule noch lebensnaher und zukunftsbedeutsamer  für unsere Schülerinnen und Schüler zu gestalten, um so gezielter auf die spezifischen Besonderheiten unserer Schüler eingehen zu können. Zur Realisierung dieses Hauptziels wollten wir noch mehr lebenspraktische, schülerzentrierte, handlungsorientierte und zukunftsbedeutsame Unterrichtskonzepte entwickeln und einsetzen.

 

Wie haben wir versucht, dieses Ziel zu verwirklichen?

 Wir haben in Teamarbeit pädagogische Ziele entwickelt und in der Lehrerkonferenz gemeinsam deren Umsetzung verbindlich beschlossen. Um dafür notwendige neue Unterrichtsstrukturen- und Formen kennen zu lernen, führten wir schulinterne Lehrfortbildungen durch. Wir beschlossen, zu einem Thema über einen verabredeten   Zeitraum hinweg „schulinterne Rahmenlehrpläne“ zu entwickeln. Unser Ziel war es, alle Schülerinnen, Schüler und Eltern einzubinden und diese Rahmenlehrpläne besonders lebenspraktisch und zukunftsorientiert für alle Unterrichtsfächer auszurichten. Der verstärkte Einsatz veränderter Unterrichtsstrukturen- und Formen stand dabei im Mittelpunkt.

Diese Form, schulinterne Rahmenlehrpläne zu entwickeln, haben wir als sehr positiv und nachhaltig empfunden. Insgesamt hatten wir uns auf drei Themenbereiche festgelegt:

 Ø      „Gesund leben“

Ø      „Miteinander – Füreinander“

Ø      „Wir schützen unsere Umwelt“

Nun suchte sich jede Klasse dazu ein Unterthema, das sie besonders interessiert. So wurden die Schüler im Laufe der Schulprogrammentwicklung selbstbewusster in der Eigenbestimmung von Themenwahlen und gestalten die Entwicklungsprozesse an unserer Schule dadurch aktiv mit. Ein weiteres Ziel ist es, die in den Projektwochen angewendeten offenen Unterrichtsformen mehr in die tägliche Unterrichtsarbeit während des gesamten Schuljahres einfließen zu lassen.

Durch die anschließende Evaluation durch die Schülerinnen und Schüler, ihren Eltern und den Lehrkräften war es uns möglich, eine umfassende Rückmeldung zu erhalten. Die neuen lebenspraktischen, zukunftsorientierten und handlungsorientiert ausgerichteten Unterrichtsformen fanden positiven Anklang bei allen Beteiligten. Auch die positive Beachtung unserer Schule konnte sich im regionalen Umfeld positiv weiterentwickeln. Neben dem „Tag der offenen Tür“ an unserer Schule fanden wir durch die Kooperation mit Firmen der Region und durch Veröffentlichungen unserer Unterrichtsarbeit in der regionalen Tagespresse verschiedene Möglichkeiten unsere Schule nach außen zu öffnen. So war es ganz klar, dass die neuen Unterrichtsstrukturen und –methoden in die tägliche Arbeit einfließen.

Mit dem Schuljahr 2005/06 trat der neue Rahmenlehrplan für die Allgemeine Förderschule in Kraft. In dem neu entwickelten Rahmenlehrplan sehen wir eine Bestätigung unserer bisherigen Schulprogrammarbeit. Die Arbeit mit sechs Leitthemen wird als verbindliche Grundlage für die Unterrichtsarbeit festgelegt und gibt somit Raum für fächerübergreifende und fächerverbindende Projektarbeit. Für uns stellt die Implementierung des Rahmenlehrplans eine logische und von uns sehr begrüßte Weiterentwicklung unseres Schulprogramms dar.

Wir haben gleichzeitig die Initiative des MBJS[1] zur Umgestaltung der Unterrichtsarbeit in den Jahrgangsstufen 9 und 10 zu Beginn des Schuljahres 2005/6 aufgegriffen und dafür eigene schul- und regionalspezifische Lösungsansätze entwickelt.

Die von uns durchgeführte Umgestaltung des Unterrichts in der Klassenstufe 9 und 10 basiert zum einen auf den bereits gewonnenen Erkenntnissen des  Modellversuchs „Projekt – und handlungsorientierte Struktur und Gestaltung in den Jahrgangsstufen 9 / 10 der allgemeinen Förderschule (AFL)“ einschließlich der Erfahrungen der AFS Finsterwalde und zum anderen auf eigenen Erfahrungen hinsichtlich der veränderten Lern- und Lebenssituation unserer Schüler. Kerngedanke ist die fächerübergreifende Projektarbeit, die wir im Rahmen unseres Schulprogramms „Lebensnahe Schule“ seit 1998 entwickeln und in der Praxis mit der gesamten Schule durchführen, evaluieren und jedes Jahr weiter entwickeln. Dabei stehen schülerzentrierte und handlungsorientierte Unterrichtsformen wie Partner-, Gruppen- und Wochenplanarbeit im Vordergrund.

Die Einführung von Schülerfirmen ergab sich als logische Konsequenz der Verwirklichung einer „Lebensnahen Schule“. Inzwischen ist das „Cafè Waldblick“ sowohl für Schüler und Lehrer als auch für Gäste unserer Schule eine richtige Institution geworden. Am 18.08.2005 eröffnete das erste Cafè, das nun seitdem erfolgreich von den jeweiligen 10. Klassen mit viel Engagement geführt wird. So werden in der Frühstückspause leckere Snacks und Getränke angeboten und frisches Brot selbst gebacken. Einmal wöchentlich wird ein warmes Mittagessen zubereitet. Zusätzlich bietet die Schülerfirma verschiedene Dienstleistungen wie z.B. Buffeterstellung, Kuchenservice und Verkaufsservice an. Seitdem entstanden in den letzten Jahren zahlreiche Kontakte zu Privatpersonen und Firmen der freien Wirtschaft. Dies bietet den Schülern vor allem die Möglichkeit, außerhalb des „Schonraums“ Schule wichtige Schlüsselqualifikationen für die kommende berufliche Integration zu erwerben und zu trainieren.

Außerdem arbeitete die Schülerzeitung mit verschiedenen Geschäften und Restaurants in Mahlow und Umgebung zusammen. Sie erstellten Werbung für diese Firmen und konnten dafür ihre Zeitung dort verkaufen. Außerdem unterstützte diese Schülerfirma durch ihre Werbung auch Projekte anderer Schulen wie z.B. die Schulfußball-Weltmeisterschaft 2006, die von der Herbert- Tschäpe- Oberschule organisiert wurde.

Im Schuljahr 2009/10 haben wir uns erfolgreich für das Projekt „Anschub.de[2]“ zur Umsetzung unseres Ziels der Schulgesundheit beworben und wurden als „Gesunde Schule“ ausgezeichnet. Neben gesunder Ernährung, Entspannungstechniken und Konfliktlösungsstrategien sehen wir Sport als wesentlichen Beitrag zur Gesundheitserziehung und zum Training sozialer Kompetenzen. So sind wir stolz, dass wir im Dezember 2010 als „Sportlichste Förderschule“ ausgezeichnet wurden.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein in unserer Schulprogrammentwicklung ist  die Berufsorientierung an unserer Schule, die unseren Schülern die berufliche Integration erleichtern soll. Wir wurden im Schuljahr 2009 und 2011 jeweils mit dem vom „Netzwerk Zukunft“ alle zwei Jahre neu ausgeschriebenen Preis „Schule mit hervorragender Berufsorientierung“ ausgezeichnet und dadurch in unserem Weg der Schulprogrammentwicklung bestätigt. Wir arbeiten mit verschiedenen regionalen und überregionalen Ausbildungsbetrieben, mit Berufsbildungseinrichtungen und weiterführenden Schulen zusammen. Außerdem nehmen wir am Projekt „ZEBRA-plus“  teil. In diesem Projekt wird die Berufsorientierung in Firmen des allgemeinen Arbeitsmarktes realisiert. Ziel ist dabei das Vermeiden der »2. Schwelle« der beruflichen Integration für Jugendliche mit (Lern-)Behinderung durch konfliktfreie Integration in Arbeit. Die Schüler werden dabei bis zum Abschluss der Berufsausbildung durch Übergangsbegleiter betreut, so dass die Berufsvorbereitung nachhaltig erfolgt.

 

Ausblick

Auch an unserer Schule findet derzeit eine lebhafte Diskussion zur Umsetzung der Inklusion statt. Durch die Mitarbeit in der sonderpädagogischen Förder- und Beratungsstelle und der förderdiagnostischen Lernbeobachtung an den Regelschulen realisieren die Pädagogen der „Schule am Waldblick“ durch Prävention und gezielte sonderpädagogische Förderung bereits die Verwirklichung des gemeinsamen Lernens.

 „Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention bedeutet, dass allen Menschen von Anfang an in allen gesellschaftlichen Bereichen, eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe möglich ist. Inklusion verwirklicht sich im Zusammenleben in der Gemeinde - beim Einkaufen, bei der Arbeit, in der Freizeit, in der Familie, in Vereinen oder in der Nachbarschaft. Dementsprechend leben, arbeiten und lernen Menschen mit Behinderungen nicht in Sondereinrichtungen. Es gibt vielmehr einen ungehinderten, barrierefreien Zugang und eine umfassende Beteiligung von Menschen mit Behinderungen am bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben (oder: in allen Bereichen des Lebens).“[3] Zum 1. Januar 2009 wurde vom Bundesrat ein Gesetzentwurf verabschiedet, der die rechtlichen Voraussetzungen für die Ratifikation des  UN-Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen schafft. Damit wird der völkerrechtliche Vertrag für Deutschland verbindlich.

Dennoch gibt es Schüler, die aufgrund von persönlichen, individuellen, sozialen und kognitiven Lernvoraussetzungen massive Lernschwierigkeiten aufweisen und für die eine „[…]umfassende Beteiligung […] am bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben (oder: in allen Bereichen des Lebens)“[4] nur in einer kleinen Lerngruppe unter professioneller sonderpädagogischer Unterstützung, die ihre Lernbesonderheiten berücksichtigt, realisiert werden kann. Aus unserer sonderpädagogischen Beratungstätigkeit ergibt sich die Erkenntnis, dass es viele Eltern gibt, die eine Beschulung an einer Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Lernen“ für ihr Kind favorisieren. Gemäß unseres Schulprogramms der „Lebensnahen Schule“ wollen wir weiterhin mit sonderpädagogischer Kompetenz für diese Kinder und Eltern an der „Schule am Waldblick“ Voraussetzungen schaffen, damit diese Schüler und Schülerinnen in allen Bereichen ihres künftigen Lebens entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten erfolgreich bestehen können.

  



[1] Ministerium für Bildung, Jugend und Soziales

[2] Anschub.de ist die Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland. Dahinter steht eine Initiative der Bertelsmann Stiftung.  Ziel aller Beteiligten ist es, Gesundheit und Bildung sinnvoll miteinander zu verknüpfen, um sie nachhaltig im Schulleben zu verankern.

[3] Quelle: http://www.behindertenbeauftragter.de/DE/Landkarte/2Bewertung/Bewertung.html

[4] Vgl. ebd.